Die Diskussion um das "richtige" Ayanamsha ist komplett sinnbefreit. Da wir uns in einem stetig sich fortbewegenden System befinden, in dem sich der Frühlingspunkt der TagundNachtGleiche in ungefähr 27000 Jahren einmal durch den Tierkreis bewegt, ist es klar, daß man für historische Horoskope, von vor mehr als 2000 Jahren den damaligen tatsächlichen Gestirnsstand verwenden müßte.
Natürlich ist das System selbst tropisch, was bedeutet, daß der Widder, das Lamm in unserer Kulturepoche den Frühlingspunkt markiert, da vor ca. 2000 Jahren der Frühlingspunkt in den Widder eintrat. Ich muß hier nicht anführen, daß Astrologen wie zB. Kepler die jeweilige tatsächliche Abweichung der Präzession vom Frühlingspunkt bewußt war, diesen markiert und integriert haben.
DIE JÜDISCHE SCHOPFUNG
Der Abendländische Kulturkreis basiert auf der Erzählung des jüdischen Schöpfungmythos in der Thora. Minutiös wird hier das ganze Dilemma menschlichen Lebens festgehalten.
Zur Schöpfung selbst gibt es eine genaue Zeitangabe:
Was sehen wir?
Das Leben tritt real in Erscheinung und materialisiert sich mit einem Löwe AC und dem Jupiter drauf.
Der LIEBE GOTT scheint allerdings auf 10° eine ziemlich klare Vorstellung gehabt zu haben von seinem Menschen, Adam, denn mit seinen 13 Rippenpaaren war er sein perfektes Ebenbild.
Leider hat es dann nicht so wirklich geklappt zwischen Adam und seiner Partnerin Lilith. Irgendwie hatte Adam ein kleines Problem mit der Ebenbürtigkeit und der Augenhöhe. Denn sowohl Adam als auch Lilith waren in sich vollständig. Sie bedurften einander nicht. Es ergab sich daher keine Notwendigkeit einer Beziehung und daher auch keinen fruchtbaren Fortbestand. Jeder war in sich vollständig und genügte sich selbst. Eine Einheit, ohne Polarität oder Dualität.
Adam hat sich Lilith kurzerhand entledigt, und sie ist im Mythos nur mehr als Verfluchte existent.
GOTT gibt also - seufzend - nach, Adam ist nun etwas ramponiert und an seine fleischgewordene 13. Rippe namens Eva gebunden.
Nun haben wir eine Zweiheit, die auf ewig durch ihre schöpfungsbedingte Unvollständigkeit aneinander gebunden sind.
Keiner kann ohne den anderen, es gibt keinen Weg aus sich selbst heraus zur Einheit zu gelangen.
Von männlicher Überlegenheit ist noch nicht die Rede. Vielmehr scheint die Notwendigkeit der Gemeinsamkeit in der Lebensbewältigung über Jahrtausende notwendig und vorrangig gewesen zu sein.
Wir lesen über den Bruch mit dieser bis dahin üblichen Lebensweise, die Heide Göttner-Abendroth - was für ein Name! - in ihren Büchern beschreibt. Es ist die Abkehr vom gemeinschaftlichen Leben hin zur hierarchischen Ordnung in den Familien.
Der jüdische Schöpfungmythos markiert also den Zeitpunkt der Entstehung einer vollkommen neuen Gesellschaftsordnung.
Diese findet wahrscheinlich zeitgleich mit dem Übergang von Jungsteinzeit und Sesshaftwerdung statt, mit getrennten arbeitsteiligen Lebensbereichen von Mann und Frau, verbunden mit der unnötigen
Diskussion nach dem wichtigeren Lebensbereich.
Zurück zur Deutung:
Jupiter ist Herrscher von 5 und 8, es fügt sich ein aus der Vorstellung herrührendes lebendiges Leben, mit der Sonne in 4 von der Waagevenus ebenfalls in 4 beherrscht, bringt die Materialisierung nun ein mit Fische aus 8 auf dem Göttlichen Ursprung und auf Begegnung basierendes, gut gefügtes Leben hervor.
Die Sonne setzt dies treu im 4. Haus um.
Der MC im Widder allerdings zeigt die Undankbarkeit. Adam ist als Ebenbild selber wer, mit Mars Uranus Opposition hat er es nicht so mit seinem Göttlichen Schöpfer, Er setzt mit der Nichtakzeptanz Liliths GOTT ganz schön unter Druck : "nein dankeschön, die will ich nicht!"
Ein Gott, der sich den Wünschen seiner Schöpfung anpasst? Wo gibt's denn sowas? Ein Mensch der aufbegehrt und sich eine seinen Vorstellungen entsprechende Eva erzwingt?
Oder hat GOTT bemerkt, daß es keine Entwicklung geben kann, wenn der Mensch perfekt ist?
WAS SOLL DAS ALLES?
Nach Jahrtausenden matrilinearen, sich um das aus der Frau hervorgebrachte Leben ordnenden Strukturen, kommt es zum radikalen Bruch.
Ein hochkomplexes geistiges, von Männern geschaffenes System löst das bisherige, sich um das Überleben konzentrierende ab. Es ist eine Welt in der Welt und die mosaische Schöpfungsgeschichte schildert die Stellung und Position des Mannes in der damaligen Gesellschaftsstruktur und das Hervorbringen eigenen geistigen Lebens, aus dem die Frauen ausgeschlossen werden.
Immer noch ist es im Judentum ein auf dem Mond basierender Fruchtbarkeitskalender, der das Jahr ordnet und die jüdischen Abstammungslinien gehen bis heute über die Herkunft der Frauen.
Dieser komplexe und schwer zu begreifende Kalender mitsamt der in sich verzahnten und hochdiffizielen sprachlichen und verschriftlichten Artikulation bildet eine eigene, bis in das kleinste Detail durchstrukturierte Schöpfung. Bazon Brock bezeichnet dieses Faktum als auf der Unterlegenheit unter die Leben-gebenden Frauen und damit konkurrenzierenden Männer beruhend.
Die Thora beschreibt diese Änderungen des Lebens detailliert und die damit einhergehende Entstehung getrennter weiblicher und männlicher Welten, die unser Leben bis heute bestimmen.
DAS AYANAMSHA
Das Ayanamsha liegt, wenn man den jüdischen Schöpfungmythos zugrundelegt ca. 3700 Jahre vor unserer Zeitrechnung ungefähr minus 50 Grad zu 0° Widder verschoben auf 20° Stier.
Diese Stier-Epoche bringt also, nachdem die Betonung einer intellektuellen Entwicklung im Zwilling in den 2300 Jahren davor erfolgte, Konsolidierung hervor. Es ist eine Venusphase, die nach der Merkurphase mit dem Schwerpunkt auf funktionell durchgeregeltem Leben, das als ein rechnerisches Korsett das Leben minutiös administriert und grundlegend bändigt nun im Stier einhegen will.
Die Phasen der wilden Fruchtbarkeit als die Präzession durch den mundanen II. Quadranten lief, des Krebses, Löwen ... sind zu diesem Zeitpunkt bereits seit 3000 Jahren Geschichte und kann man der Altsteinzeit zuordnen.
Die Welten trennen sich nun endgültig, so wie die getrennten Betten während der Menstruation. Die Männer haben sich befreit aus dem zyklischen Leben, aus Werden und Vergehen und haben eine eigene abstrakte und intellektuelle Welt entwickelt, zu der die Frauen keinen Zugang und keinen Zutritt haben.
0°WIDDER
Weitere 3700 Jahre später, das Ayanamsha hat bis 69 v. Chr. den Stier und Widder durchlaufen, fallen der Frühlingspunkt und die Präzession zusammen. Sie läuft von da an durch den Fisch: die Zeit des reinen Materialismus ist dann vorbei.
Dieter Miunske schreibt, es ist Ägypten, welches das Tier anbetend als Gott verehrt. Der Auszug aus Ägypten und die Opferung des Lammes ist als Ausdruck der Abkehr der Hebräer vom ägyptischen Materialismus zu betrachten.
Historisch fällt nun mit dem endgültigen Verlassen der ägyptischen Sphäre - dem mundanen I. Quadranten - der Frühlingspunkt mit der Präzession und einem Ayanamsha von 0° zusammen.
Mit dem Eintritt des Frühlingspunktes in die Fische beginnt eine neue Ära.
CHRISTI GEBURT
Zu Christi Geburt beträgt das Ayanamsha bereits 2° und liegt damit knapp hinter dem Frühlingspunkt in den Fischen. Mit Christi Geburt assoziieren wir gemeinhin das Fischezeitalter.
FAZIT
Bitte beachten Sie, daß es keine astronomisch 100% genauen Berechnungen gibt, da die Grenzen der Sternbilder keine punktgenaue Position, sondern Übergänge darstellen.
Die astrologischen Grenzen der Sternbilder und Gradeinteilungen sind rein mathematisch definiert.
Wir befanden uns also vor 2000 Jahren, als sich die Präzession aus dem titanischen Quadranten ( W. Döbereiner) Zwilling - Stier-Widder über den Frühlingspunkt in den Fisch hinein bewegte im totalen gesellschaftlichen und geistig/strukturellen Umbruch.
Heute, fast 6000 Jahre nach dem jüdischen Schöpfungstag, wechselt die Präzession nun wahrscheinlich in den Wassermann, was bedeutet, daß die FrühlingsTagundNachtGleiche astronomisch derzeit im Wassermann stattfindet und abermals ein großer Wandel stattfindet.
Wenn man also ein Horoskop erstellt, dann muß man klarerweise immer die tatsächliche Präzession zum jeweiligen Zeitpunkt dynamisch mit einbeziehen und darf nicht stur an einem einzigen Wert für alle Epochen hängen bleiben. Gleichzeitig muß man aber natürlich die tropischen Beziehungen verwenden.
Selbstverständlich bleibt die Bedeutung der Sternbilder davon unberührt, da die Entstehung der Astrologie ja in diese Zeit der antiken astrologischen Entstehung fällt, als der Frühlingspunkt sich ja tatsächlich um 0° Widder herum bewegte.
Derzeit gibt es allerdings kein Astrologieprogramm, das diese astronomische Basis mit darstellt.



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