Vom Wünschen und vom Wollen

Vor einiger Zeit schrieb ich “Als das Wünschen noch geholfen hat“, nun heute würde ich dies nicht mehr sagen.

Warum? können Sie nun fragen, “Ganz einfach, weil dieser Satz unvollständig ist. Er schließt unser Wollen aus, so als  wären wir Menschen ohne Möglichkeit der Gestaltung unseres Lebens.

Oft wird das, was sich in unserem Leben ereignen soll dargestellt, als könnten wir etwas im Himmel bestellen, was dann geliefert würde. Als könnten wird durch Gebete den Himmel bewegen zu liefern.

Was mit dem Wünschen zum Ausdruck gebracht werden soll, ist das Empfangen.

Wir sind Empfangende, alles wird uns geschenkt, was wir brauchen. Das Wünschen muß gewollt werden, könnte man sagen.


Was aber ist unser Anteil dabei, wo die Bewegung, daß etwas Neues entsteht?


Es ist unser Wille. Dort wo es keinen gibt, kann gar nichts entstehen.


Natürlich genügt es nicht, nur zu wollen. Aber es ist der Funke, um uns in Gang zu bringen.


Und das Wünschen?

Es hat etwas unverbindliches, beliebiges, kommt's ist's gut, kommt's nicht - wird's auch hingenommen.


Durch das Wollen jedoch entsteht eine Bindung, eine Verpflichtung, aus der man sich dann nicht mehr so leicht befreien kann.


Drum wird bei der Eheschließung auch nach dem Wollen und nicht nach dem Wunsch gefragt.


Wir sollten uns darum gut überlegen, und in uns hinein spüren, ob wir etwas wirklich von Herzen wollen. 


Dies setzt das Empfinden voraus, daß wir in der Lage sind, in uns unser Wollen zu finden und zu spüren.


Willenlose Mensch sind Mensch, die in sich ihr Wollen nicht spüren können. Denn jeder Mensch hat ein Wollen, es ist eines der elementarsten Bewegungen im Leben, wenn das Kind erstmals mit seinem NEIN die elterliche Welt zum Stillstand bringt. Es ist Macht, etwas bewegen zu können, sich selbst und andere.


(Denken Sie nur an all die Mütter, die ihren Kindern verschiedene Speisen anbieten, die vom Kind weg geschleudert werden....)


Dort jedoch, wo dieser laute Schrei der Weigerung, das Weinen der Enttäuschung, das sehnende Schluchzen des Kindes jedoch nie oder wenig Gehör fand, kann kein Wollen entstehen.


Denn wir brauchen das Wahrgenommenwerden, das Gehörtwerden um uns selbst spüren zu lernen.


Sonst kann dann daraus vieles entstehen: das trotzige Kind, das als Erwachsener versucht, das Leben zu zwingen, oder der willenlose Mensch, der aus sich heraus keine Orientierung spürt und sich von anderen bestimmen lässt.


Immer ist es aber das Empfinden, das wir so dringend benötigen, das Gespür dafür, was uns gut tut, wie wir etwas wollen, mit wem wir uns wohl fühlen.


Hunger ist trügerisch, wir essen alles um satt zu werden, auch wenn es uns nicht gut tut. Seelisch und körperlich.


Darum sollten Kinder und ihr Trotz nicht unterdrückt sondern als Willensäußerung begriffen werden. Das bedeutet nicht alles zu bekommen, sondern gehört zu werden.


Dort wo jedoch der Wille des Kindes ignoriert, manipuliert oder unterdrückt wird, entsteht auch keine Sicherheit des Urteils über seine eigenen Bedürfnisse.


Die ganze Uranus Pluto Generation der 30er Jahre, geboren um von den gewalttätigen Vorstellungen der Erziehung des 3. Reiches überdeckt zu werden, hätten diese Gewalt identifizieren müssen und nicht als Lebensvorstellungen weiter geben sollen.


In dieser Generation ist der Keim zur Auflösung der Geschlechtsunterschiede gelegt, die sich dann in den 60ern realisiert haben.


Denn dort wo es kein eindeutiges Empfinden für sein ICH WILL gibt, entwickelt sich auch keine weibliche und männliche Identität.


Zu weit hergeholt?


Wie erklärt man sich dann Filme wie 50 shades, als durch die Mutlosigkeit, die Angst, die Unterdrückung,  das zu sein und zu leben, was man ist. Und dann läßt man sich gleich in einem Aufwaschen dafür bestrafen, sich selbst unterdrückt zu haben, wo wir bei der #metoo Debatte wären.

Denn was auffällt ist, daß das NEIN ein Fremdwort zu sein scheint, sowohl für die Sprechenden als auch die NIchthörenden.


Denn wenn zwei Menschen etwas miteinander zu tun haben, hat IMMER das NEIN Vorrang, denn sonst wär es eine Vergewaltigung.... Und da scheinen wir leider auch gelandet zu sein.